Birmingham: Lobalu holt Silber über 10’000 Meter und komplettiert Medaillensatz

Vom Flüchtling zur EM-Medaille: Lobalu holt Silber – und komplettiert seinen Medaillensatz - Tages-Anzeiger

Lobalus Silbermedaille in Birmingham

Dominic Lobalu hat bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham die Silbermedaille über 10’000 Meter gewonnen. Mit dieser Leistung komplettierte der 27-Jährige seinen Medaillensatz bei Europameisterschaften. Das Rennen war von einem frühen Ausreissversuch des Schweden Andreas Almgren geprägt, der sich an der Spitze absetzte und das Feld überrundete.

Lobalu lief über weite Strecken ein einsames Rennen, da die Konkurrenz um die Bronzemedaille ebenfalls weit zurücklag. Er erreichte das Ziel in 27:42,67 Minuten, 19 Sekunden hinter Almgren, der in 27:23,44 Minuten gewann. Der Franzose Jimmy Gressier hatte einen Rückstand von 44 Sekunden auf den Sieger.

Die Silbermedaille ist für Lobalu ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk, da er am Sonntag 28 Jahre alt wird. Er reiht sich damit unter die erfolgreichsten Schweizer Leichtathleten bei Europameisterschaften ein und hat nun ebenso viele EM-Medaillen wie Simon Ehammer. Nur Mujinga Kambundji hat mit vier Medaillen eine mehr.

Zuvor hatte Lobalu bei den Europameisterschaften in Rom 2024 bereits eine Bronzemedaille über 5000 Meter gewonnen und wurde Europameister über 10’000 Meter. Diese Erfolge folgten, nachdem der Leichtathletik-Weltverband seinen Nationenwechsel im Jahr zuvor bewilligt hatte, ursprünglich jedoch eine dreijährige Wartefrist für internationale Meisterschaften verhängt worden war. Ein Wiedererwägungsgesuch von Swiss Athletics führte schliesslich zur Startberechtigung für die EM in Rom.

Frauenstaffel feiert historische Silbermedaille

Neben Lobalus Erfolg feierte auch die Schweizer 4-mal-100-Meter-Staffel der Frauen einen historischen Erfolg. Das Team gewann ebenfalls Silber und beendete damit eine mehr als zehnjährige Wartezeit auf eine Medaille bei Meisterschaften. Die Schweiz steht nun bei insgesamt sieben Medaillen bei diesen Europameisterschaften.

Die EM in Birmingham bot die Bühne für diesen lang ersehnten Podestplatz. Im letzten Rennen des Samstags, vor 23’000 Zuschauern, die hauptsächlich das britische Team anfeuerten, sicherte sich die Schweizer Staffel den zweiten Platz. Der letzte Wechsel im Rennen verlief nicht optimal, da Salomé Kora scharf abbremsen musste, um in der Wechselzone zu bleiben. Ihre anschliessende Beschleunigung sicherte dem Team jedoch die Silbermedaille.

Salomé Kora, mit 32 Jahren die älteste Athletin im Finalteam, ist seit zehn Jahren Teil der Staffel. Sie erreichte in Birmingham auch als Einzelläuferin erstmals einen Final. Nach dem Gewinn der Medaille äusserte sie ihre Freude mit den Worten: «Endlich». Sie betonte den guten Zusammenhalt im Team.

Der Teamzusammenhalt zeigte sich auch in der Startaufstellung für den Final. Im Vergleich zum Halbfinal wurde Ajla Del Ponte durch die 22-jährige Fabienne Hoenke ersetzt, die zuvor über 200 Meter den vierten Platz belegt hatte. Die 30-jährige Del Ponte hatte ihren Startplatz im Sinne des Teamgedankens an ihre jüngere Kollegin abgetreten, mit dem Wunsch, dass Fabienne ebenfalls die Erfahrung eines Finalrennens machen könne.

Das Team wurde durch Géraldine Di Tizio-Frey, die Vierte über 100 Meter, und die 200-Meter-Halbfinalistin Léonie Pointet komplettiert. Diese Aufstellung verdeutlicht die Entwicklung des Schweizer Sprints in den letzten Jahren. Kora bezeichnete diesen Erfolg als «eher einen Start in ein neues Zeitalter» für die Schweizer Frauenstaffel.

Lobalus Weg und zukünftige Rennen

Dominic Lobalu, der nach einem Rennen in Genf vor sieben Jahren von einem Flüchtlingsteam abgesetzt hatte, fühlt sich in der Schweiz, in Abtwil, wohl. Er ist das erste Mitglied seiner Familie, das alleine wohnt. Seine Vergangenheit, in der er schwierige Erfahrungen gemacht hat, hat ihn gelehrt, nicht zu lange an Vergangenem festzuhalten.

Vor den aktuellen Europameisterschaften hatte Lobalu mit muskulären Verspannungen im unteren Rückenbereich zu kämpfen, die bis ins Gesäss und in die hintere Oberschenkelmuskulatur ausstrahlten. Diese Beschwerden traten nach seinem Sieg beim Diamond-League-Meeting in Monaco am 10. Juli auf. Infolgedessen beendete er ein 3000-Meter-Rennen in Luzern vorzeitig und verzichtete vorsorglich auf einen Start bei den Schweizer Meisterschaften in Zürich.

Stattdessen arbeitete er mit dem medizinischen Team an der Behebung der Ursachen seiner Beschwerden. Obwohl er im 5000-Meter-Rennen in Birmingham den siebten Platz belegte und eine Medaille verpasste, zeigte er sich für den 10’000-Meter-Lauf fit. Nach dem 5000-Meter-Rennen, bei dem ihm am Ende die Kräfte ausgingen, sagte Lobalu, er habe es bereits vergessen, da das nächste Rennen bestimmt komme.

Die Europameisterschaften in Birmingham sahen auch weitere Medaillenentscheidungen, darunter einen Doppelsieg der Niederlande im Kugelstossen der Frauen durch Jessica Schilder und Jorinde van Klinken. Die Deutsche Yemisi Mabry belegte den dritten Platz, womit die gleichen drei Frauen in gleicher Reihenfolge wie bei den Europameisterschaften in Rom 2024 auf dem Podest standen.

Source: tagesanzeiger.ch

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fussball, Super League und internationale Wettbewerbe.