Birmingham: Gold und Weltrekorde im Gehen bei Leichtathletik-EM

Spanische und italienische Erfolge im Gehen
Bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham haben die Gehwettbewerbe für bemerkenswerte Leistungen gesorgt. Die Spanierin Maria Perez sicherte sich die Goldmedaille über die Halbmarathon-Distanz (21,1 km) der Frauen und stellte dabei einen neuen Weltrekord auf. Ihr Landsmann Paul McGrath gewann ebenfalls Gold über dieselbe Distanz bei den Männern.
Über die volle Marathondistanz (42,2 km) feierten die Italiener Erfolge. Sofia Fiorini holte Gold bei den Frauen und stellte dabei ebenfalls einen neuen Weltrekord auf. Bei den Männern triumphierte Massimo Stano und komplettierte seine Goldmedaillensammlung.
Perez und Fiorini mit historischen Bestleistungen
Maria Perez dominierte das Rennen über 21,1 Kilometer von Beginn an. Sie übernahm bei Kilometer 8 die Führung und gab diese nicht mehr ab. Die Spanierin erreichte das Ziel in einer Weltrekordzeit von 1:30:06 Stunden. Diese Zeit unterbot die vom Weltverband für den Premiererekord geforderte Richtzeit von 1:30:30 um 24 Sekunden. Für Perez, die bereits den Weltrekord über 35 Kilometer hält, ist dies nach ihrem 20-Kilometer-Triumph im Jahr 2018 ihr zweites EM-Gold. Silber ging an Alexandrina Mihai aus Italien, während die Ukrainerin Ljudmilla Oljanowska Bronze gewann.
Bei den Männern über die Halbmarathon-Distanz erreichte Paul McGrath das Ziel in 1:23:23 Stunden. Er hatte 13 Sekunden Vorsprung vor dem Italiener Francesco Fortunato. Andra Cosi, ebenfalls aus Italien, komplettierte das Podest.
Sofia Fiorini zeigte eine besonders dominante Leistung in der zweiten Hälfte des Marathonrennens der Frauen. Die 22-Jährige erreichte das Ziel nach 42,2 Kilometer in 3:15:11 Stunden. Sie hatte über viereinhalb Minuten Vorsprung vor der Silbermedaillengewinnerin Katarzyna Zdzieblo aus Polen. Fiorinis Zeit unterbot die vom Weltverband geforderte Weltrekord-Richtzeit von 3:17:00 deutlich und war fast zehn Minuten schneller als die bisherige Bestzeit in dieser neuen Disziplin. Die Spanierin Raquel Gonzalez sicherte sich Bronze.
Massimo Stano, der bereits Gold bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio und den Weltmeisterschaften 2022 in Eugene gewonnen hatte, fügte seiner Sammlung nun eine EM-Goldmedaille hinzu. Der 34-jährige Italiener rettete im Duell mit dem Spanier Miguel Angel Lopez einen Vorsprung von acht Sekunden ins Ziel. Der Franzose Aurélien Quinion belegte den dritten Platz.
Schweizer Athleten und neue Distanzen
Die Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham führten erstmals die Wettbewerbe im Gehen über die Halbmarathon- und Marathondistanz ein. Doppelstarts sind im Gegensatz zu früheren Europameisterschaften nicht mehr möglich. Alle vier Wettbewerbe wurden gleichzeitig auf einem hügeligen Ein-Kilometer-Rundkurs ausgetragen.
Die Schweizer 4×100-Meter-Staffel der Frauen qualifizierte sich souverän für den Final. Das Quartett um Géraldine Di Tizio-Frey, Ajla Del Ponte, Léonie Pointet und Salomé Kora zeigte mit der drittschnellsten Zeit aller Teams ihre Ambitionen. Die Männer-Staffel verpasste den Einzug ins Rennen um die Medaillen knapp um einen Hundertstel.

Für Annik Kälin erlitten die Medaillenträume im Siebenkampf einen Rückschlag. Nach einer Führung im Weitsprung fiel die 26-jährige Schweizerin nach dem Speerwurf auf den vierten Zwischenrang zurück. Sie hatte im Weitsprung mit einem Satz auf 6,81 Meter eine vielversprechende Ausgangslage geschaffen, büsste aber in der vorletzten Disziplin entscheidend an Boden ein. Vor dem abschliessenden 800-Meter-Lauf hatte Kälin einen Rückstand von 34 Punkten auf die Podestplätze. Auch über 1500 Meter gab es Enttäuschungen für die Schweiz, da Lilly Nägeli, Joceline Wind und Delia Sclabas bereits in den Vorläufen ausschieden. Sclabas steigerte sich in ihrem Vorlauf, ihre Aufholjagd kam jedoch zu spät.

Die Österreicherin Theresia Mohr schrieb bei diesen Europameisterschaften Geschichte, indem sie die erste österreichische Geherin bei einer Leichtathletik-EM war. Trotz Seitenstechen belegte die 20-Jährige über die Halbmarathon-Distanz den 22. Rang in 1:40:59 Stunden. Ihr österreichischer Rekord über diese Distanz liegt bei 1:37:51 Stunden. Mohr kämpfte sich durch das Rennen, obwohl die Schmerzen so stark wurden, dass sie kaum noch Luft bekam und sogar kurz überlegte aufzugeben, was sie noch nie zuvor in Betracht gezogen hatte.
Source: srf.ch