Aachen: Guerdat komplettiert mit Einzel-Gold sein Palmarès

WM in Aachen - Guerdat komplettiert auf Dynamix mit Einzel-Gold sein Palmarès

Historischer Erfolg in Aachen

Steve Guerdat hat bei der Weltmeisterschaft in Aachen erstmals die Weltmeisterkrone im Einzel gewonnen. Der Jurassier blieb auf seiner Stute Dynamix de Belheme als einziger Springreiter über fünf Runden ohne Abwurf. Dieser Erfolg macht ihn zum ersten Schweizer, der den WM-Titel im Springreiten holt und vervollständigt seine Titelsammlung auf historischem Niveau.

Mit diesem Sieg ist Guerdat nun Olympiasieger, Weltmeister, Europameister und Sieger des Weltcup-Finals – eine Leistung, die vor ihm noch kein Springreiter erreicht hat. Der 44-Jährige verwies im dramatischen Fünf-Gänge-Krimi den Belgier Thibeau Spits auf Impress und den Briten Harry Charles mit Freda auf die Plätze zwei und drei.

Das WM-Championat in der Aachener Soers forderte vor 40’000 Zuschauern Mensch und Tier alles ab. Guerdat hatte bereits am Freitagabend die Schweizer Equipe auf den sechsten Rang geführt und damit vorzeitig das Olympia-Ticket für Los Angeles 2028 gesichert. Gleichzeitig übernahm er vor den beiden finalen Umgängen am Sonntag die Spitze des Klassements, punktgleich mit dem Deutschen Daniel Deusser.

Nervenstärke und Überlegenheit

Am Sonntag setzte sich Guerdat nach dem vierten Umgang mit seinem vierten Blankoritt ab. Co-Leader Deusser fiel auf Otello nach einem Fehler auf Platz vier zurück. Damit befanden sich noch vier Paare innerhalb eines Abwurfs. Im letzten Parcours, der den Top 12 vorbehalten war, behielt der Jurassier einmal mehr die Nerven und lieferte erneut einen Nuller.

Letztlich hatte Guerdat mehr als vier Punkte Vorsprung auf die Konkurrenten auf dem Podest und hätte sich sogar einen Abwurf leisten können. Seine Überlegenheit und die Konstanz seiner Leistung mit Dynamix de Belheme waren während der gesamten Meisterschaft offensichtlich. Die Abstände zu den Zweit- und Drittplatzierten illustrieren die Dominanz des Paares.

Guerdat gestand nach dem Sieg, dass er die ganze Woche nervös gewesen sei, da WM-Gold in Aachen ein Kindheitstraum für ihn war und er befürchtete, dies könnte seine letzte Chance mit einem so guten Pferd sein. Trotz des Drucks, als Führender in die Finalrunden zu gehen, blieb er fokussiert und makellos.

Eine Karriere voller Triumphe

Der neuerliche Triumph ist das Ergebnis jahrelanger, akribischer Arbeit. Die Stute Dynamix kam bereits 2018 im Alter von fünf Jahren in Guerdats Stall nach Elgg/ZH. Der Jurassier baute das Pferd über Jahre hinweg behutsam auf, bevor ab 2023 die grossen internationalen Erfolge folgten.

Im Sattel von Dynamix krönte er sich bereits 2023 zum Europameister. Zudem verbuchte er in seiner Karriere bereits WM-Bronze (2018) sowie drei Gesamtsiege beim Weltcupfinal, der inoffiziellen Hallenweltmeisterschaft. Olympisches Gold gewann er 2012 in London mit Nino des Buissonnets. Seine Weltcup-Siege erzielte er in den Jahren 2019, 2016 und 2015.

Wie breit Guerdat sportlich aufgestellt ist, bewies er zudem unmittelbar vor der WM: Im Sattel von Iashin Sitte sicherte er sich vor Aachen den prestigeträchtigen und hochdotierten Million-Grand-Prix von Dublin. Er ist nicht nur als Einzelreiter erfolgreich, sondern hat auch mit der Schweizer Equipe Medaillen gewonnen, darunter Bronze bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking und insgesamt fünf EM-Medaillen, davon drei goldene.

Guerdat, der aus Bassecourt im Kanton Jura stammt, genoss den magischen Moment in Aachen, der als Welthauptstadt des Pferdesports gilt. Er betonte, dass er seine Karriere nicht beenden wollte, bevor er in Aachen gewonnen hatte, und dass es nichts Besseres gebe, als dort zu triumphieren. Die 13 Jahre alte Stute Dynamix de Belheme, die seit acht Jahren in Guerdats Stall steht, wurde von ihm als das beste Pferd gelobt, das er je geritten sei.

Er wusste schon als Kind, dass er Profireiter werden wollte, und sass im Alter von drei Jahren erstmals im Sattel. Sein Vater Philippe Guerdat war selbst ein erfolgreicher Springreiter und gehörte 20 Jahre lang der Schweizer Nationalmannschaft an. Guerdat verdrückte nach seinem Sieg Tränen und sagte, er sei stolz auf sein Team, das diese Medaille ebenfalls verdient habe.

Source: srf.ch

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fussball, Super League und internationale Wettbewerbe.