Hamilton kritisiert Ferrari nach Zandvoort-Rennen

Lewis Hamilton sauer: Bei Mercedes klappt das, bei uns nicht! - Motorsport-Total.com

Hamiltons Frustration über Teamstrategie

Lewis Hamilton äusserte nach dem Formel-1-Rennen in Zandvoort seine Enttäuschung über die Strategie seines Teams. Der siebenmalige Weltmeister kritisierte, dass eine mögliche Teamorder zugunsten von Charles Leclerc nicht umgesetzt wurde, was ihm nach eigener Aussage Zeit kostete. Hamilton, der im zweiten Stint auf harten Reifen unterwegs war, schloss auf den langsameren Leclerc auf, der auf Medium-Reifen fuhr, und erwartete, vorbeigelassen zu werden, was jedoch nicht geschah.

Hamilton funkte sarkastisch: „Tolle Art, Zeit zu verschwenden, Jungs. Gute Arbeit.“ Leclerc wiederum weigerte sich zunächst, den angestrebten Boxenstopp einzulegen, da er das Gefühl hatte, sein Rennen würde dadurch beeinträchtigt. Er fragte das Team nach dem Sinn der Anweisung, da er erst zwei Runden nach George Russell an die Box gekommen sei. Leclerc blieb auf der Strecke, während Hamilton weiter Zeit hinter ihm verlor, bevor der Monegasse in Runde 43 doch zum Reifenwechsel abbog.

Hamilton zog einen Vergleich zu Mercedes, wo Russell kurz vor Rennende angewiesen wurde, seinen Teamkollegen Kimi Antonelli vorbeizulassen. Hamilton betonte, dass er gewinnen wolle und es schwierig sei, wenn bei Mercedes Teamansagen umgesetzt werden, bei seinem Team jedoch nicht. Er liegt punktgleich mit Russell auf dem zweiten Platz der Weltmeisterschaft.

Der ehemalige Grand-Prix-Pilot Timo Glock zeigte Verständnis für Hamiltons Frust und sah darin ein wiederkehrendes Problem bei Ferrari. Er meinte, dass die Umsetzung einer perfekten Strategie nicht gelungen sei und man hätte versuchen müssen, Hamilton in eine bessere Position zu bringen, um wichtige Punkte zu sichern.

Leclercs Sichtweise und Vasseurs Erklärung

Charles Leclerc konzentrierte sich auf sein eigenes Rennen und befand sich in einem Duell mit Russell. Er war nicht glücklich über die Anweisung zum Boxenstopp, da er das Gefühl hatte, dass seine Reifen noch Potenzial hatten und er durch den Stopp hinter Russell landen würde. Leclerc erklärte, dass er keine Nachricht von Ferrari bezüglich seines Teamkollegen erhalten habe und sich auf seine eigene Pace konzentrierte.

Leclerc hatte nach eigenen Angaben kein Problem damit gehabt, Hamilton vorbeizulassen und länger auf der Strecke zu bleiben, betonte aber, dass er keine entsprechende Anweisung erhalten habe. Er sah seinen frühen Stopp im ersten Stint als Teil eines Teamspiels, um einen Undercut gegen die Konkurrenz zu versuchen.

Teamchef Frederic Vasseur erklärte, dass es schwierig gewesen sei, Leclerc in diesem Moment eine Anweisung zu geben, Hamilton vorbeizulassen. Er sagte, dass man erwartet hatte, dass Hamilton an die Box kommen würde, aber da er im Verkehr gelandet wäre, bat man Leclerc, eine weitere Runde draussen zu bleiben. Vasseur fügte hinzu, dass man Leclerc nicht um eine weitere Runde bitten und gleichzeitig die Positionen tauschen lassen könne.

Vasseur räumte ein, dass das Hauptproblem darin bestand, dass Hamilton nicht über den Plan informiert wurde, ihn bis zum Ende durchfahren zu lassen. Er erklärte, dass man die Strategie nicht über Funk preisgeben wollte, um den Konkurrenten keine Informationen zu liefern. Vasseur zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass die Spannungen intern geklärt werden und alle nach dem Debriefing ein klares Bild vom Rennen haben werden.

Vasseur merkte an, dass alle bezüglich der Reifenmischungen etwas ratlos gewesen seien, da die Unterschiede zwischen den drei Mischungen gering waren. Er betonte, dass es schwierig war, eine klare Strategie zu entwickeln, und dass Anpassungen manchmal notwendig seien, was für die Fahrer frustrierend sein könne.

Qualifying-Herausforderungen und Rennpace-Hoffnungen

Im Qualifying zum Grossen Preis der Niederlande verpasste Ferrari die erste Startreihe. Hamilton startete von Platz fünf und Leclerc von Platz sechs. Hamilton fehlten 0,331 Sekunden auf die Poleposition, Leclerc lag 0,395 Sekunden zurück. Dieses Ergebnis war für die Scuderia enttäuschend, da die Rennpace im Sprint zuvor deutlich stärker war.

Hamilton zeigte sich nach Anpassungen am Set-up zufriedener mit dem Auto, sah aber die Reifen als grösstes Problem im Qualifying. Er erklärte, dass die Reifen im ersten Sektor nicht sofort auf Temperatur waren, was das Vertrauen in Kurve eins beeinträchtigte. Vasseur stimmte zu, warnte jedoch davor, eine grundsätzliche Schwäche abzuleiten, da die Abstände im Qualifying sehr eng waren.

Leclerc war ebenfalls nicht zufrieden mit seinem sechsten Platz und glaubte nicht, dass ein früherer letzter Versuch die Situation wesentlich verändert hätte. Er führte den Leistungsverlust auf zu starke Veränderungen der Power-Unit-Einstellungen während des Qualifyings zurück. Leclerc bemerkte auch eine Tendenz, dass Ferrari im Rennen oft stärker ist als im Qualifying.

Trotz der enttäuschenden Startplätze blickte Ferrari mit Zuversicht auf das Rennen. Vasseur betonte die gute Rennpace über längere Distanzen. Hamilton erwartete ebenfalls, dass Ferrari im Rennen konkurrenzfähiger sein würde. Die Strategie wurde als entscheidend angesehen, insbesondere da Überholen in Zandvoort schwierig ist.

Leclerc erwartete eine taktisch geprägte Entscheidung über die Reifen, da die meisten Teams zwei Sätze harte Reifen behalten hatten. Er schlug vor, den ersten Stint auf der weicheren Mischung abzuwarten, bevor eine endgültige Entscheidung getroffen wird. Vasseur zeigte sich optimistisch bezüglich der neuen Unterboden-Entwicklung, die Ferrari an diesem Wochenende eingesetzt hatte und die nach Plan funktionierte. Ferrari bringt weiterhin Upgrades zu jedem Rennen, erwartet aber keine grossen Sprünge in der Leistung.

Die Umsetzung der Strategie und die Kommunikation im Team werden intern besprochen, um zukünftige Frustrationen zu vermeiden.

Source: motorsport-total.com

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fussball, Super League und internationale Wettbewerbe.