Liverpool FC: Investorengruppe um Jeff Bezos steigt bei den Reds ein

Eine Investorengruppe, zu der Amazon-Gründer Jeff Bezos und Facebook-Mitbegründer Eduardo Saverin gehören, hat eine Minderheitsbeteiligung am FC Liverpool erworben. Die Vereinbarung wurde von der Fenway Sports Group (FSG), den amerikanischen Eigentümern des Klubs, bestätigt. Die Investorengruppe, die unter dem Namen 1892 Holdings firmiert, wird von Amit Bhatia angeführt, der auch stellvertretender Vorsitzender des FC Liverpool wird.
Die FSG hatte im November 2022 bekannt gegeben, dass sie «neue Investoren» für den FC Liverpool in Betracht ziehen würde, sofern die Rahmenbedingungen stimmen. Nach wochenlangen Spekulationen wurde der Deal nun offiziell bestätigt. Die FSG behält weiterhin die Mehrheitsbeteiligung und die operative Kontrolle über den Verein.
Details zur Investition und den Beteiligten
Dem Vernehmen nach werden rund 30 Prozent der Vereinsanteile an 1892 Holdings abgetreten. Berichten zufolge erhalten die amerikanischen Eigentümer dafür zwischen 1,5 und 1,8 Milliarden Euro. Die FSG hatte den FC Liverpool im Jahr 2010 für etwa 350 Millionen Euro erworben und den Klub vor der Insolvenz bewahrt. Seitdem hat sich der Verein finanziell weitgehend selbst getragen.
Die Schlagkraft der neuen Aktionäre ergibt sich aus ihrem Vermögen: Jeff Bezos wird vom Magazin «Forbes» mit 230 Milliarden Franken zu den reichsten Menschen der Welt gezählt. Eduardo Saverin, der als wohlhabendster Brasilianer gilt, soll ein Vermögen von 27 Milliarden besitzen. Amit Bhatia ist mit der Tochter des indischen Stahlindustriellen Lakshmi Mittal verheiratet, dessen Reichtum auf 25 Milliarden geschätzt wird. Bhatia, der einen ausgewiesenen Fussballhintergrund hat, trat Ende Juli als langjähriger Direktor und Mitbesitzer der Queens Park Rangers zurück und verkaufte seine Beteiligungen.
Die strategische Investition soll die langfristigen Wachstumsziele des FC Liverpool unterstützen, indem sie Experten aus den Bereichen Wirtschaft, Technologie und Investment zusammenbringt. Die Konsortialpartner werden gemeinsam mit der FSG und der Vereinsführung Möglichkeiten prüfen, die zur Erreichung der Vereinsziele auf und neben dem Platz beitragen. Bezos selbst soll keine operative Rolle im Verein einnehmen.
Hintergründe und Bedeutung des Deals
Für Investoren wie Bezos und seine Partner liegt der Reiz darin, einen der prestigeträchtigsten Sportvereine in ihr Geschäftsportfolio aufzunehmen. Der Gesamtwert des Premier-League-Spitzenklubs wird derzeit auf rund 6 Milliarden Franken beziffert. Lediglich Real Madrid, FC Barcelona und Manchester United werden von «Forbes» höher bewertet. Die geringe Anzahl echter Weltklubs, von denen nur wenige zum Verkauf stehen, verleiht ihnen einen besonderen Exklusivitätswert für prominente Investoren. Ein solcher Besitz erhöht zudem die Sichtbarkeit und Reichweite und eröffnet Zugänge zu elitären Fussballkreisen.
Obwohl der monetäre Aspekt für Ultrareiche wie Jeff Bezos vernachlässigbar erscheinen mag, haben sich internationale Spitzenvereine bei umsichtigem Management über die vergangenen Jahrzehnte hinweg als stabile Anlagen mit beträchtlichen Renditechancen erwiesen. Dies ist auf die stetig steigenden Einnahmen aus den Übertragungsrechten zurückzuführen. Die FSG hatte vor drei Jahren bereits 3 Prozent der Vereinsanteile für rund 150 Millionen an Dynasty Equity veräussert, um Corona-Einbussen und die Modernisierung des Stadions sowie des Trainingsgeländes zu finanzieren.
Die Transaktion folgt einem Trend im englischen Fussball, bei dem die Besitzanteile grosser Klubs aufgesplittet und die Verantwortung verteilt werden. Sowohl die Mehrheitseigner von Manchester City als auch jene von Manchester United gingen in den vergangenen Jahren strategische Partnerschaften mit Minderheitsgesellschaftern ein. Auch der Chelsea FC und Aston Villa befinden sich nicht mehr allein in der Hand einzelner Personen oder ihrer Firmen. Dies ist auf das kapitalintensive Fussballgeschäft und die wachsenden Anforderungen an das Management eines Klubs zurückzuführen.
Die Finanzregularien der Premier League erlauben den Vereinen ab dieser Saison, maximal 85 Prozent ihrer operativen Fussballeinnahmen für fussballspezifische Ausgaben wie Transferablösen und Spielergehälter aufzuwenden. Daher ist es entscheidend, die kommerziellen Umsätze zu steigern. In diesem Bereich können Bezos und seine Partner mit ihren Netzwerken, ihrem Know-how und ihrer Erfahrung hilfreiche Impulse liefern, insbesondere im Hinblick auf die Einbindung und Weiterentwicklung von künstlicher Intelligenz im Fussball.
Präsident Mike Gordon der FSG bezeichnete den Investoreneinstieg als eine «Entscheidung im Sinne des langfristigen Wohls des Klubs». Die Fan-Vereinigung Spirit of Shankly hatte sich im Vorfeld des Deals skeptisch geäussert, da sie bei ähnlichen Verkäufen in anderen Vereinen erhebliche Veränderungen in der Führung und im operativen Fussballbereich erlebt hatte.
Source: nzz.ch