Uefa bereitet Strafverfahren gegen Fifa-Präsident Infantino vor

Uefa fordert Dokumente und Rücktritt
Die Uefa bereitet ein Strafverfahren gegen Fifa-Präsident Gianni Infantino vor. Dies geschieht im Zusammenhang mit dem gescheiterten WM-Investorendeal. Der europäische Fussballverband fordert von der Fifa und den beteiligten Finanzinstituten die Herausgabe von Dokumenten zu diesem Projekt.
Ein 60-seitiges Dokument, das Presseagenturen vorliegt und an ein Distriktgericht im US-Bundesstaat Florida gerichtet ist, untermauert diese Schritte. Darin wird ausgeführt, dass die Uefa und weitere interessierte Parteien derzeit die Einleitung eines Strafverfahrens in der Schweiz gegen Infantino und möglicherweise weitere Fifa-Funktionäre und -Berater vorbereiten. Der Vorwurf lautet auf kriminelle Misswirtschaft gemäss Artikel 158 des Schweizer Strafgesetzbuches.
Die Uefa fordert weiterhin den Rückzug von Infantino. Über weitere Schritte beriet der Verband am Donnerstag. Diese Beratungen fanden im Rahmen der Auslosung zur Champions League in Monaco statt. Dort trafen sich die 55 nationalen Verbandsbosse, darunter DFB-Präsident Bernd Neuendorf, sowie das Exekutivkomitee um Hans-Joachim Watzke.
Kritik am Investorenplan und Boykott-Drohung
Der Investorenplan von Infantino sah vor, Anteile an Turnieren des Weltverbandes an private Investoren zu verkaufen. Nach massiver Kritik, auch aus dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump, gab Infantino dieses Vorhaben auf.
In dem Schreiben an US-Gerichte beantragt die Uefa die Herausgabe relevanter Unterlagen. Dazu gehören Dokumente des Weltverbandes sowie der Investmentgesellschaft Thrive Capital, die eine wichtige Rolle in Infantinos Plan gespielt hatte. Diese Unterlagen sollen später in einem möglichen Strafverfahren in der Schweiz als Beweismittel dienen.
Die Uefa kritisiert in ihrem Antrag unter anderem den als «absurd niedrig» angesetzten Unternehmenswert der Fifa von rund 20 Milliarden US-Dollar. Der Plan sei darauf ausgelegt gewesen, Infantino und einem kleinen Kreis eine dauerhafte Beteiligung an den wertvollsten Vermögenswerten der Fifa zu verschaffen und ihnen Gewinne zu ermöglichen. Dies wäre zum Nachteil der Fifa, ihrer Mitglieder und anderer Akteure innerhalb der Fussballfamilie gewesen, so die Argumentation.
Boykott-Drohung wohl vom Tisch
Die von der Uefa angedrohte Boykott-Drohung scheint indes vom Tisch zu sein. Dies liegt an einer angeblichen Zusage der Fifa, dass ein vergleichbarer Investorenplan wie der von Infantino nie wieder zur Debatte stehen werde. Nach Informationen der Nachrichtenagentur SID könnte der europäische Verband seine Drohung daher zeitnah zurücknehmen.
Die Uefa hatte Anfang August ihre Bedingung für eine Rückkehr zu Fifa-Wettbewerben formuliert. Es müsse sichergestellt werden, «dass derartige Versuche, den Fussball auf diese Weise zu entstellen, niemals wieder unternommen werden». Eine solche Zusicherung hatte die Fifa beim Rückzug des Investorenplans zunächst nicht gegeben. Sie wurde erst nachgeholt, als der Boykott drohte.
Ein Beispiel dafür ist die U20-WM der Frauen, die ab dem 5. September stattfinden soll. Der polnische Verband teilte am Mittwoch auf SID-Anfrage mit, dass die Vorbereitungen planmässig verliefen und es keinerlei Informationen über einen möglichen Rückzug eines der teilnehmenden Teams vom Turnier gebe. Das Turnier, das ein Uefa-Boykott als erstes getroffen hätte, findet demnach statt, als hätte es die Drohung nie gegeben.
Die Uefa gibt ihr wirksamstes Druckmittel auf, da die Fifa ihr laut einem Bericht «konkrete Garantien» in einem «privaten Schreiben» gegeben hat. Dieses Schreiben, das niemand lesen kann, muss laut dem Bericht kein Turnier verhindern. Fifa-Präsident Gianni Infantino bleibt damit vorerst im Amt, trotz massiver Kritik. Die Uefa fordert nach wie vor Infantinos Rückzug.
Source: srf.ch