Walliser Läufer muss Extrem-Lauf früher beenden

Walliser muss Extrem-Lauf früher aufgeben als geplant - Blick

Herausforderungen beim Last Soul Ultra

Der Walliser Läufer Pierre Biege musste den Last Soul Ultra in Deutschland nach etwa 221 Kilometern beenden. Sein ursprüngliches Ziel lag bei rund 503 Kilometern. Der Wettkampf, der am Freitagnachmittag begann, forderte von den Teilnehmenden, stündlich eine Runde von exakt 6,7 Kilometern zu absolvieren. Wer dies nicht innerhalb der vorgegebenen Zeit schaffte, schied aus dem Rennen aus.

Biege hatte im Vorjahr 40 Runden, was 268 Kilometern entspricht, absolviert. Für dieses Jahr hatte er sich vorgenommen, 75 Runden zu erreichen und damit den Schweizer Rekord von 62 Runden zu übertreffen. Nach 33 Runden musste er jedoch aufgeben.

Trotz des vorzeitigen Ausscheidens zeigte sich der dreifache Familienvater nicht unzufrieden. Er erklärte in einem Video rund 48 Stunden nach dem Rennen, dass er keine Schmerzen habe und die über 200 Kilometer ohne Beschwerden gelaufen sei. Er beschrieb seine Lauftechnik als «perfekt» und betonte, dass er gesund, glücklich und voller Frieden aus dem Wettkampf gegangen sei.

Gründe für das Ausscheiden und die Sieger des Rennens

Als Hauptgrund für sein Ausscheiden nannte Biege Müdigkeit und mentalen Stress. Er verwies auf seine Schlafstatistik der letzten Wochen und die mentalen Herausforderungen in seinem Leben, wie eine Jobkündigung und familiäre Verpflichtungen. Diese Faktoren hätten es ihm möglicherweise nicht erlaubt, sein volles körperliches Potenzial auszuschöpfen. Er war am Montagmorgen pünktlich zur Einschulung seiner Kinder zu Hause, was nicht möglich gewesen wäre, hätte er das Rennen wie geplant bis Montag fortgesetzt.

Der Amerikaner Mark Dowdle gewann den Last Soul Ultra. Er lief 94 Runden und legte dabei 630,4 Kilometer zurück. Bei den Frauen siegte Caroline Maria Bolte mit 52 Runden, was einer Distanz von 348 Kilometern entspricht. Dowdle und sein letzter verbliebener Konkurrent, der Deutsche Ayyoub El Osrouti, lieferten sich ein intensives Duell, das über vier Tage andauerte. El Osrouti musste schliesslich in der 94. Runde entkräftet aufgeben, nachdem er nicht mehr in der Lage war, die Runde rechtzeitig zu beenden.

Das Internet-Happening und besondere Leistungen

Der Last Soul Ultra, der dem Konzept des Backyard-Ultra-Marathons folgt, entwickelte sich zu einem grossen Internet-Ereignis. Fast 100’000 Personen verfolgten den Livestream auf YouTube, der insgesamt über 7 Millionen Aufrufe verzeichnete. Der Organisator und Extremsportler Kim Gottwald, 23 Jahre alt, trug massgeblich dazu bei, das Format einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Er hatte im Vorjahr die erste Ausgabe des Rennens gewonnen und dabei 447 Kilometer in 67 Stunden zurückgelegt.

In diesem Jahr konnte Gottwald aufgrund einer Verletzung nicht teilnehmen, lud aber bekannte Backyard-Profis und Content Creators ein, um das Rennen zu begleiten. Zu den eingeladenen Läufern gehörten unter anderem der deutsche Rekordhalter Hendrik Boury und der amerikanische Weltmeister Harvey Lewis. Auch Influencer wie Maren Schiller, Imke Salander und Alex Kukla waren dabei und teilten ihre Erfahrungen in den sozialen Medien.

Neben den Spitzenleistungen gab es auch bemerkenswerte Erfolge in anderen Kategorien. Der 68-jährige deutsche Ultraläufer Hubert Karl stellte mit 301,5 Kilometern einen neuen Backyard-Weltrekord in seiner Altersklasse auf. Caroline Maria Bolte brach bei ihrem ersten Backyard-Ultra den deutschen Frauenrekord mit 52 Runden. Der genaue Austragungsort des Rennens blieb aus Sicherheitsgründen geheim, und Zuschauer waren nicht zugelassen.

Die intensive Auseinandersetzung zwischen Dowdle und El Osrouti dauerte 14 Stunden. In der 91. Runde brachen sie den deutschen Rekord für die längste Distanz in einem Backyard-Ultra. Dowdle, der vor dem Rennen aufgrund von Flugverspätungen nur 15 Minuten vor dem Start an der Strecke ankam, zeigte eine beeindruckende Leistung und gewann seinen siebten Backyard-Sieg in Folge.

El Osrouti, der im letzten Jahr Zweiter hinter Kim Gottwald wurde, steigerte seine persönliche Bestleistung auf 93 Runden. Gottwald lobte El Osrouti als grossartigen Menschen und Kämpfer und betonte, dass kein 27-Jähriger oder jünger jemals so weit in einem Backyard-Format gelaufen sei. Das Rennen endete am Dienstagmittag, nachdem El Osrouti in einem Kornfeld am Streckenrand kapitulierte.

Source: blick.ch

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fussball, Super League und internationale Wettbewerbe.