Boxer Prichard Colon stirbt zehn Jahre nach verhängnisvollem Kampf

Tragisches Ende einer vielversprechenden Karriere
Der ehemalige Profiboxer Prichard Colon ist im Alter von 33 Jahren verstorben. Sein Vater, Richard Colon, gab die traurige Nachricht am Donnerstag über soziale Medien bekannt. Colon hatte seit einem verhängnisvollen Kampf im Jahr 2015, der sein Leben für immer veränderte, mit schweren Hirnverletzungen zu kämpfen.
Geboren in Florida, zeigte Prichard Colon schon in jungen Jahren grosses Talent im Boxsport. Im Alter von zehn Jahren zog er mit seinem Vater und seiner Schwester nach Puerto Rico, um seine Boxkarriere zu fördern. Als Amateurboxer erzielte er 170 Siege bei 15 Niederlagen und gewann 2010 Gold bei den Panamerikanischen Jugendmeisterschaften, was seinen Durchbruch markierte.
Auch als Profi machte sich Colon schnell einen Namen in den Welter- und Superweltergewichtsklassen. Sein Profidebüt gewann er durch einen K.o.-Sieg in der ersten Runde. Im September 2015 besiegte er den ehemaligen Weltmeister Vivian Harris ebenfalls vorzeitig. Mit einer beeindruckenden Bilanz von 16 Siegen, davon 13 durch K.o., und keiner Niederlage, ging er einen Monat später in seinen letzten Kampf.
Der Kampf, der alles veränderte
Am 17. Oktober 2015 traf Colon in Fairfax, Virginia, auf den ebenfalls ungeschlagenen Terrel Williams. Dieser Kampf sollte Colon’s Leben unwiderruflich prägen. Während des Kampfes kam es zu mehreren Regelverstössen, wobei Williams wiederholt auf Colons Hinterkopf schlug, sogenannte «Rabbit Punches», die aufgrund der hohen Verletzungsgefahr für die Halswirbelsäule und den Hirnstamm im Boxen verboten sind.
Colon beschwerte sich beim Ringrichter Joseph Cooper über die unerlaubten Schläge. Berichten zufolge soll Cooper ihm jedoch mehrfach gesagt haben, er solle die Situation selbst regeln. Obwohl Williams mit Punktabzügen sanktioniert wurde, setzte er die verbotenen Schläge fort. Colon klagte über Schwindel und Schmerzen am Hinterkopf und suchte in den Rundenpausen den Ringarzt Richard Ashby auf, der ihn jedoch als kampftauglich beurteilte und zurück in den Ring schickte.
In der neunten von zehn Runden ging Colon zweimal zu Boden. Nach dieser Runde kam es zu einem Missverständnis: Colons Team glaubte fälschlicherweise, der Kampf sei beendet, und schnitt ihm die Handschuhe auf, was zu einer Disqualifikation führte. Kurz darauf kollabierte Colon in der Umkleidekabine und wurde ins Spital gebracht.
Folgen der Hirnverletzung und Kampf um Gerechtigkeit
Im Spital wurden bei Prichard Colon kritische Hirnblutungen diagnostiziert. Die Ärzte mussten eine Notoperation durchführen, um den Druck auf sein Gehirn zu reduzieren, wobei sein Schädel geöffnet werden musste. Nach der Operation fiel Colon für 221 Tage ins Koma. Als er erwachte, befand er sich in einem vegetativen Zustand. Er hatte die vollständige Kontrolle über seine Motorik verloren, konnte weder sprechen noch sich selbstständig bewegen und benötigte rund um die Uhr Pflege.
In den folgenden zehn Jahren wurde Colon hauptsächlich von seiner Mutter, Nieves Meléndez, betreut. Die Familie reichte eine Klage gegen Ringarzt Ashby und die beteiligten Promotionsgesellschaften ein und forderte 50 Millionen US-Dollar Schadenersatz. Bis heute wurde jedoch kein Urteil in diesem Fall gesprochen. Auch eine Untersuchung der zuständigen Bundesstaatsbehörde identifizierte keinen Schuldigen.
Sein damaliger Gegner Terrel Williams äusserte sich 2019 in der «Washington Post» zu dem Kampf und betonte, er denke jeden Tag daran und habe ohne böswillige Absicht gehandelt. Eine Entschuldigung erfolgte jedoch nicht. Williams zog sich nach seinem Karriereende im Jahr 2019 aus der Öffentlichkeit zurück.
Als direkte Folge der Tragödie um Prichard Colon wurde die «Prichard Colon Rule» eingeführt, die ähnliche Vorfälle in Zukunft verhindern soll. Für Prichard Colon selbst kam diese Regelung leider zu spät. Sein Vater Richard drückte seine Trauer auf Facebook aus: «Ich muss euch leider mitteilen, dass mein Sohn Prichard aus diesem irdischen Leben geschieden ist. Er ist nun in einer besseren Welt.»
Source: blick.ch