Kambundji scheitert im EM-Halbfinal nach Mutterschaft

Die erfolgreichste Schweizer Leichtathletin der Geschichte, Mujinga Kambundji, ist bei der Leichtathletik-Europameisterschaft im Halbfinal ausgeschieden. Dies geschieht nur acht Monate nach der Geburt ihres Sohnes. Kambundji beschreibt die Situation als mental schwierig.
In den vergangenen zehn Jahren trat die Bernerin bei Europameisterschaften stets mit Medaillenambitionen an. Sie stand neunmal in einem EM-Final, triumphierte zweimal über 200 m und gewann zudem Bronze und Silber über 100 m. Die aktuelle Europameisterschaft stellt jedoch eine andere Herausforderung dar.
Schweizer Athleten im Einsatz
Im 200-m-Halbfinal der Frauen waren insgesamt vier Schweizerinnen vertreten. Neben Mujinga Kambundji hatten sich Fabienne Hoenke und Léonie Pointet bereits qualifiziert. Iris Caligiuri komplettierte das Quartett, indem sie sich als Vierte ihres Vorlaufs in 23,39 Sekunden über die Zeit für die Vorschlussrunde qualifizierte. Die 23-jährige Westschweizerin schaffte den Sprung in den Halbfinal.
Weniger Glück hatte Mélanie Roland über 400 m. Die französisch-schweizerische Doppelbürgerin wurde in ihrem Vorlauf in 52,35 Sekunden ebenfalls Vierte. In der Endabrechnung reichte ihre Zeit jedoch nur für den 13. Platz, womit sie die Halbfinal-Qualifikation um einen Rang verpasste.
Im 400-m-Hürdenlauf egalisierte Dany Brand bei seiner Halbfinalpremiere an einer EM seine persönliche Bestleistung in 48,96 Sekunden. Trotz dieser Leistung reichte es dem 30-jährigen Zürcher nicht für den Final der besten acht Athleten, da er als Vierter seines Laufs ausschied.
Zehnkampf und Europarekorde
Im Zehnkampf zeigte Nino Portmann nach drei Disziplinen eine gute Leistung und belegte den 6. Platz. Der 26-jährige Nidwaldner startete über 100 m mit einer Zeit von 10,69 Sekunden, seiner besten Zeit. Im Weitsprung erreichte er 7,43 m, womit er bis auf vier Zentimeter an seine persönliche Bestleistung herankam. Im Kugelstossen erreichte er 14,00 m, konnte aber erwartungsgemäss nicht mit der Spitze mithalten.
Angeführt wird der Zehnkampf vom Weltmeister und Olympia-Zweiten Leo Neugebauer. Der Deutsche stellte im Kugelstossen mit 17,13 m eine EM-Rekordweite auf. Die weiteren Schweizer Zehnkämpfer, Andrin Huber und Leon Krummenacher, liegen auf dem 15. beziehungsweise 24. Platz in der zweiten Hälfte der Rangliste.
Ein weiterer Höhepunkt war der 800-m-Halbfinal, bei dem der Ire Mark English in 1:43,49 Minuten einen Europameisterschaftsrekord aufstellte. Er verbesserte damit die bisherige Bestmarke von Olaf Beyer aus dem Jahr 1978, die bei 1:43,84 lag.
Der 400-m-Europameistertitel ging an Matthew Hudson-Smith, der in 44,17 Sekunden triumphierte. Dieser Sieg ist besonders, da er ihn auf seiner Heimat- und Kindheitsbahn im Alexander Stadium gewann, wo er vor zwei Jahrzehnten seine Karriere begann. Hudson-Smith holte einen historischen Hattrick über 400 m und überzeugte mit seiner achten EM-Medaille. Nach seinem Sieg wurde eine Extra-Tribüne nach ihm benannt, und er feierte seinen Erfolg direkt mit den Fans.
Die Europameisterschaft fordert die Athleten in verschiedenen Disziplinen, und die Leistungen reichen von persönlichen Bestleistungen bis hin zu neuen Rekorden. Die Teilnahme von Mujinga Kambundji acht Monate nach der Geburt ihres Sohnes unterstreicht die mentalen und physischen Herausforderungen, denen sich die Athleten stellen.
Die Wettbewerbe zeigen weiterhin spannende Duelle und beeindruckende Leistungen, wie die von Mark English, der den Europameisterschaftsrekord über 800 m verbesserte.
Source: tagesanzeiger.ch