Ex-Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer äussert sich zu seiner Entlassung und Zukunft

Der ehemalige Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer hat sich nach seiner Entlassung, die auf ein gefälschtes Covid-Zertifikat zurückzuführen war, ausführlich geäussert. Rund vier Monate nach dem Vorfall, der unmittelbar vor der Heim-WM zur Beendigung seiner Tätigkeit führte, sprach Fischer in Interviews über die Geschehnisse und seine Zukunftspläne.
Fischer räumte ein, dass seine Entlassung gerechtfertigt war und er die Dynamik des Skandals unterschätzt habe. Er bedauere die Belastung, die er seiner Familie und seinem Umfeld zugemutet hat. Der 50-Jährige gab an, dass er etwa zwei Wochen benötigte, um die Situation zu akzeptieren, obwohl er anfangs noch auf eine Rückkehr ins Amt gehofft hatte.
Reue und Akzeptanz nach der Entlassung
Patrick Fischer gestand, einen Fehler gemacht zu haben und zeigte Reue. Er betonte, dass der Ursprungsfehler bei ihm lag und er diesen unzählige Male durchdacht habe. Die Entlassung sei für ihn nicht völlig unerwartet gekommen, obwohl die Verantwortlichen ihm zunächst ihre Unterstützung zugesichert hätten. Die sich entwickelnde Dynamik habe ihn jedoch erkennen lassen, dass seine Position gefährdet war.
Er befand sich bereits mit dem Team in der Slowakei, als ein Treffen einberufen wurde, bei dem ihm klar wurde, dass seine Zeit als Nationaltrainer zu Ende ging. Fischer äusserte, dass er die Belastung für seine Eltern, seine Frau, seinen Sohn und seine Freunde als besonders schwierig empfand. Er habe die gemeinsame, zehnjährige Geschichte mit dem Team als grösser empfunden als das Ende seiner Amtszeit.
Fischer schloss auch eine Klage gegen das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) aus, nachdem er dem Sender ursprünglich den Bruch einer «Off-the-record»-Vereinbarung vorgeworfen hatte. Er zeigte sich offen für ein klärendes Gespräch mit SRF-Direktor Roger Elsener und sah den Ursprungsfehler klar bei sich. Er hätte proaktiver mit dem Verband kommunizieren müssen, anstatt zu versuchen, die Zertifikatsaffäre intern zu halten.
Rückblickend würde er sich anders verhalten, insbesondere in Bezug auf die Pandemie. Er habe damals auf sein Inneres gehört und selbst entscheiden wollen, was in seinen Körper gelangt. Fischer erklärte, dass er diesen Spagat probiert habe, aber dies so sicher nicht mehr machen würde. Er habe mittlerweile mit dem Thema abgeschlossen und seinen inneren Frieden gefunden.
Zukunftspläne als Privat-Coach
Hinsichtlich seiner beruflichen Zukunft im Eishockey lässt Patrick Fischer vieles offen. Er sagte, er wisse nicht, ob er jemals wieder an der Bande stehen werde. Es sei möglich, dass er wieder in einer Eishalle tätig sein wird, aber es sei auch möglich, dass dies nie wieder geschehe. Er betonte jedoch, dass es sehr wahrscheinlich sei, dass er irgendwann in einer Funktion bei einem Klub einsteigen werde, beispielsweise als Berater.
Vorerst konzentriert sich Fischer auf ein neues Projekt: Ab Herbst will er als Privat-Coach tätig sein und das «Team Fischer» lancieren. Gemeinsam mit ehemaligen Weggefährten aus seiner Nationalmannschaftszeit will er Coaching für Körper und Mentalität anbieten. Dieses Angebot richtet sich nicht nur an Spitzensportler, sondern an alle Menschen, die im Alltag unter hohem Druck stehen, von Führungskräften bis hin zu Pflegefachpersonen.
Das Projekt soll Menschen auf ihrem persönlichen Weg begleiten und sich auf die Lösung versteckter Blockaden, den Umgang mit Überforderung und Druck sowie die Aufrechterhaltung von Präsenz und Ruhe in anspruchsvollen Situationen konzentrieren. Fischer ist überzeugt, dass Klarheit, Präsenz und Energie entscheidende Eigenschaften sind. Er betonte, dass er bewusst eine Pause mache und die Dauer dieser Pause offenlasse.
Fischer zog ein positives Fazit seiner Ära als Nationaltrainer, in der das Nationalteam laut ihm historische Erfolge feierte und dreimal im WM-Final stand. Er habe gespürt, dass Spieler und Staff gerne mit ihm an die Heim-WM gegangen wären. Nach der Entlassung habe er von den Spielern ein Geschenk erhalten und mit dem Staff einen Abschluss in seinem Garten gefeiert.
Ob sein Ruf gelitten habe, sei schwierig zu beantworten. Er sei sich bewusst, dass viele Leute von ihm enttäuscht seien und er nicht stolz auf die Urkundenfälschung sei. Fischer ist jedoch überzeugt, dass er Menschen weiterbringt und dies seine «Marke» ausmacht.
Source: srf.ch